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Ein fürstliches Geschenk - Prinz-Georg-Garten, Darmstadt (Teil 2)

Wer heute durch den Prinz-Georg-Garten spaziert, merkt nicht sofort, dass die gesamte Anlage einmal aus zwei separaten Teilen zusammengesetzt war. Einzig die beiden Endpunkte von der Haupt- und Querachse deuten noch darauf hin. Auf der einen Seite liegt das Prinz-Georg Palais, das den Beinamen „Porzellanschlösschen“ trägt. Landgraf Ernst Ludwig, der zwischen 1678 und 1739 regierte, hatte hier seine Großherzoglich-Hessische Sammlung des weißen Goldes untergebracht, im 18. Jahrhundert noch ein außerordentlicher Luxus, der ein eigenes Gebäude verdiente. Auf der anderen Seite prangt das Gartenhaus des gräflichen Schwiegersohns, Generalleutnant Johann Rudolf von Pretlack. Das Gebäude diente schon dazumal als Orangerie.

Die anspruchsvollen Gewächse aus dem Land, wo die Zitronen blühen, gehörten seinerzeit – genau wie das Porzellan – zu den Prestigeobjekten, fürstliche Must-Haves sozusagen – auch das ein Trend, den der Sonnenkönig von Versailles aus nach ganz Europa schickte, und der sogar bis heute nachwirkt. Wer damals etwas auf sich hielt, kultivierte also die empfindlichen Schönheiten aus dem milden Süden, im Winter gut geschützt hinter großen Glasfenstern, im Sommer dekorativ im Freien vor dem Winterquartier auf- und ausgestellt, meist in eigens gefertigten hölzernen Behältnissen.

Passenderweise schmückten auch damals schon zur Gartenseite hin gemalte Orangenbäumchen die Fassade des Pretlackschen Gartenhauses. Die Malereien verblassten freilich über die Jahrhunderte, und nicht zuletzt hinterließen zwei Weltkriege ihre brachialen Spuren in der Geschichte. Doch seit 2001 glänzen die Fassaden der niedrigen Gebäudeflügel und der flankierenden Pavillons wieder in ihrer ursprünglichen Pracht. Architektur und Garten sind wieder zu jener Einheit verschmolzen, die zu ihrer Entstehungszeit so en vogue war.

Das gilt auch für das Gartentheater mit Teehäuschen im Orangeriegarten. In diesem Gartenteil, der oft als Theaterkulisse diente, wurden Gehölze zu strengen Kuben und kantigen Formen geschnitten, ein Gestaltungselement, das im kleineren Rahmen auch heute in formalen Hausgärten sehr beliebt ist. Und ganz ähnlich wie die Gartenfreunde heute saßen die adeligen Zeitgenossen von einst gerne auf steinernen Bänken im kühlen Schatten. Sie trafen sich dort zum Plaudern oder, durch die hohen Formgehölze gut abgeschirmt, auch mal zum Stelldichein, ein weiterer beliebter Zeitvertreib der luxusverwöhnten Rokokogesellschaft.

Besucher können dem zeittypischen Lebensgefühl der heiteren Lustbarkeit nachspüren, wenn sie über die breiten Wege des Palaisgartens oder des Hauptparterres an Zwerg- und Spalierobstbäumen vorbeispazieren. Die Bäume stehen integriert in ein strenges Gefüge symmetrischer Beetflächen, inmitten von Blumen, Kräutern und Gemüsepflanzen – Zeugen eines klugen Konzeptes, das Zier- und Nutzgarten miteinander kombiniert.

Vorheriger Teil der Artikelserie:
Ein fürstliches Geschenk - Prinz-Georg-Garten, Darmstadt (Teil 1)

Nächster Teil der Artikelserie:
Ein fürstliches Geschenk - Prinz-Georg-Garten, Darmstadt (Teil 3)

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Veröffentlicht am 05.07.2018

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