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GeschichtenInterview

Der Landesarchäologe des Bundeslandes Hessen über seine vielfältigen Aufgaben

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Vom Schutz verborgener Kulturdenkmäler - Interview mit Dr. Udo Recker (Teil 1)

Dr. Udo Recker ist seit 2016 Landesarchäologe des Bundeslandes Hessen und leitet in dieser Funktion die Erfassung, Sicherung und Erforschung der paläontologischen und archäologischen Denkmäler Hessens. In zwei Museen präsentiert die Landesarchäologie zudem die Ergebnisse ihrer Arbeit. Bereits seit 2013 kommissarischer Leiter der hessenARCHÄOLOGIE, erzählt uns der Mittelalterarchäologe mit großer Leidenschaft von seiner Tätigkeit.

Herr Dr. Recker, was kann uns der hessische Boden denn alles erzählen?
Ach, wenn ich das wüsste, wäre meine Aufgabe hier wahrscheinlich erledigt. Aufgrund der naturräumlichen Bedingungen ist Hessen reich an archäologischen Kulturschätzen. Wenn man sich die geografische Lage Hessens mal genauer ansieht, dann liegt das Bundesland im Bereich von naturräumlich begünstigten Nord-Süd-Verbindungen. Hessen ist und war immer schon ein Durchzugsgebiet. Deshalb treffen wir hier auf Funde aus nahezu allen Menschheitsperioden. Aber so schön, wie das im ersten Moment vielleicht auch klingt: Das macht es für uns als Denkmalbehörde nicht einfacher, weil wir Experten für alle Zeitstufen brauchen. Während es im Bundesgebiet hier und da durchaus zeitliche Schwerpunkte im Fundmaterial gibt, haben wir hier in Hessen beinahe etwas von allem. Und Hessen gehört zu den Bundesländern, in denen nicht nur die Archäologie, sondern auch die Paläontologie im Denkmalschutzgesetz verankert ist. Wir kümmern uns hier, wenn Sie so wollen, also um ein paar Millionen Jahre …

Worum kümmern Sie sich denn genau? Was ist die Aufgabe eines Landesarchäologen? Man stellt sich den Archäologen ja immer sehr romantisch vor …
Ich entspreche nicht wirklich dem Klischee des Archäologen mit stereotypem Hut und Stiefeln. Meine Aufgabe hier ist eher eine verwaltende. Als leitender Archäologie-Direktor im Landesamt für Denkmalpflege Hessen, trage ich in erster Line Verantwortung dafür, dass gemäß unserem gesetzlichen Auftrag die Kulturdenkmäler, d.h. in meinem Fall explizit die Bodendenkmäler, des Landes Hessens erfasst, möglichst umfassend geschützt und erforscht werden. Angesichts des weiterhin ungebremsten Flächenverbrauchs in weiten Teilen des Landes ist das eine große Herausforderung für meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Aber Kulturdenkmäler genießen in Hessen den Schutz der Landesverfassung, auch die im Boden verborgenen und noch nicht „gehobenen“. Gottseidank.

Warum Gottseidank?
Natürlich müssen wir uns die Frage stellen, ob wir uns diese Art der Kultur leisten wollen, und ich denke, meine Antwort kennen Sie. Ich sehe die Archäologie als wichtigen Bestandteil der Identitätsbildung, als eine Wissenschaft von gesellschaftlicher Relevanz, die aus der Kenntnis der Vergangenheit heraus auch wesentliche Beiträge zu aktuellen Fragen leisten kann. Wir definieren uns alle bis zu einem gewissen Grad immer auch über unsere Herkunft und über den Raum, in dem wir aufwachsen sind oder wohnen. Gerade bei historisch gewachsenen Kulturlandschaften zeigt sich dies sehr deutlich. Am Beispiel des in seinen heutigen Grenzen erst nach dem II. Weltkrieg gebildeten Bundesland Hessen lässt sich diese Problematik immer wieder ablesen.

Wie Sie es gerade formuliert haben: Ihre Arbeit hier hat eher verwaltenden Charakter. Sie waren ja selbst viele Jahre an Ausgrabungen – auch in Sri Lanka – beteiligt. Fehlt Ihnen nicht manchmal die praktische Arbeit?
Ja, es juckt schon manchmal in den Fingern. Und wenn es mir meine Zeit erlaubt, schaue ich mir immer noch gern die Ausgrabungen von Mitarbeitern/-innen oder Kollegen/-innen vor Ort an. Das erachte ich als sehr wichtig.
Sri Lanka war eine wirklich tolle Zeit, die ich auf keinen Fall missen möchte. Die Erfahrungen, die man bei einem solchen Auslandsprojekt sammelt, kann man in keinem Studium erlangen. Ein solches Projekt im Ausland auf die Beine zu stellen und die dazu notwendigen Strukturen aufzubauen – und dann noch in einer anderen Kultur – war für meine berufliche Entwicklung enorm wichtig. Ich habe da eine Menge an Rüstzeug für meine kommenden Aufgaben mitgenommen …

Nächster Teil der Artikelserie:
Folgt in Kürze.

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Veröffentlicht am 08.02.2018

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