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GeschichtenInterview

Der Leiter der Museumslandschaft Hessen Kassel über die Figur des Herkules

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Der Welterbetitel als kulturhistorische Anerkennung - Interview mit Prof. Dr. Küster (Teil 2)

Die Ausstellung „Herkules 300. Wiedergeburt eines Helden“ läuft ja noch bis Oktober 2017. Was erwartet die Besucher?
Die Ausstellung besteht aus zwei Teilen. Im ersten Teil beleuchten wir die historischen Begebenheiten, wie der Herkules nach Kassel kam, und zeigen im zweiten Teil, wie die bildende Kunst darauf und auf die weitreichende Herkulesthematik reagiert. Ich habe hierzu eine ganze Reihe zeitgenössischer Künstler gebeten, sich mit der Figur des Herkules auseinanderzusetzen. Es sind alles Künstler, die ich kenne und sehr schätze, und es entwickelte sich in der Zusammenarbeit mit ihnen ein wundervoller Austausch, der irgendwann sicherlich noch eine Nachbetrachtung zulässt.
Auf Herkules als Figur wird vieles projiziert, und ich denke, uns ist es gut gelungen, genau diesen Aspekt in unserer Ausstellung zu dokumentieren. So zeigt ihn Hans Traxler als schwächelnden Greis beim Schachspiel, Gerhard Glück als kindlichen Kraftprotz, und Otto Waalkes zeichnet ihn gar als Kellner. Auch die Darstellung des Herkules als Frau folgt einer sehr starken Idee und ist in unserer Ausstellung zu bewundern. Man darf dabei nicht vergessen, dass Herkules immer schon dem Versuch der Entmystifizierung unterlag, selbst Rubens malte Herkules als betrunkenen Antihelden. Mit diesem Gemälde beginnt übrigens auch der zweite Teil unserer Ausstellung. Ja, ich denke, für einen Künstler hat es einen großen Reiz, einen Halbgott zu entthronen.

Landgraf Carl von Hessen-Kassel verfolgte damals ja glücklicherweise ein anderes Ziel. Wie fand die riesige Herkulesfigur denn seinerzeit ihren Weg auf die Spitze des Bergparks in Kassel?
Herkules ist eine Identifikationsfigur mit ungeheurer Symbol- und Strahlkraft und war bei der ursprünglichen Planung der Kasseler Anlage vor über 300 Jahren noch nicht vorgesehen. Landgraf Carl sah die Skulptur während einer Italienreise im Frühjahr 1700 in Rom und beschloss, sie für seinen Bergpark zu nutzen. Ein interessanter Aspekt dieser Geschichte ist, dass vom Erleben des Herkules Farnese während Landgraf Carls Reise durch Italien bis zum Entschluss, die antike Skulptur nachzubauen und in Kassel aufzustellen, 13 Jahre vergangen sind. In diesen 13 Jahren hat sich die Idee bei ihm immer mehr konkretisiert, und er begann, die Symbolkraft einer solchen mythologischen Figur für sich zu verstehen und am Ende auch geschickt zu nutzen.
Er setzte mit der Figur des Herkules an dieser exponierten Stelle eine Landmarke, die einen großen landschaftlichen Raum beherrscht und sein Bauwerk nicht nur veredelte, sondern weltweit bekannt und einmalig machte. Es war ein Geniestreich gegen alle Zweifler und Kritiker, dem eigentlich zweckfreien Wasserspiel ein weithin erkennbares Gesicht zu geben und dem Hochstand dieser Wasserspieltechnik eine spektakuläre Wirkung zu verleihen. Der eigentliche Reiz der Anlage ist jedoch die raffinierte und ausgeklügelte Idee einer großartigen Inszenierung von Wasser als Naturmacht, die auf Knopfdruck freigesetzt werden kann. Eine solche dramaturgisch ausgeklügelte Beherrschung des Wassers als eine Art Naturschauspiel war zu seiner Zeit einzigartig und suchte ihresgleichen. Landgraf Carl von Hessen-Kassel fand damit große Anerkennung, und das weit über die Landesgrenzen hinaus.
Eine interessante Randgeschichte: Landgraf Carl hatte seinerzeit bereits eine Herkulesfigur aus Sandstein in Auftrag gegeben, die jedoch als grob geschlagener Rohling während des Transportes vom nahegelegenen Steinbruch samt Transportwagen im Morast stecken blieb und durch nichts mehr zu bewegen war. Der Rohling, bei dem die Ausarbeitung zur Figur des Herkules bereits zu sehen, allerdings noch nicht verfeinert war, blieb dort bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts liegen. Am Ende haben ihn die Bauern der Umgebung zersprengt und mit den Resten die Sockel ihrer Häuser gebaut. Dem Landgrafen muss durch diesen Unfall klar geworden sein, dass er für die Umsetzung seiner Idee einen anderen Weg gehen musste, und so kam es zur mehr als acht Meter großen Kupferfigur, die heute das Wahrzeichen Nordhessens ist.

(Herr Prof. Dr. Bernd Küster ist seit 1. Februar 2018 im Ruhestand)

Vorheriger Teil der Artikelserie:
Der Welterbetitel als kulturhistorische Anerkennung - Interview mit Prof. Dr. Küster (Teil 1)

Nächster Teil der Artikelserie:
Der Welterbetitel als kulturhistorische Anerkennung - Interview mit Prof. Dr. Küster (Teil 3)

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Veröffentlicht am 12.02.2018

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