Tête-à-Tête von Natur und Kultur - Staatspark Wilhelmsbad, Hanau (Teil 2)
Auf der Höhe seiner Zeit: Was Ende des 18. Jahrhunderts zu einem ordentlichen Englischen Landschaftsgarten gehörte, ließ der Graf von Hanau, Wilhelm IX./I. von Hessen-Kassel, bauen und einrichten: Eremitage, Tempel, Heckentheater, Felsengänge und was an zeittypischen Spielereien noch so en vogue war. Zum Beispiel ein Karussell. Darauf holten sich schon Ende des 18. Jahrhunderts adrette Damen rosige Wangen, trotz Fischbeinkorsett und strengem Benimm. Das Riesenspielzeug überstand die Jahrhunderte unbeschadet, bis im Zweiten Weltkrieg eine Bombe einschlug. Danach lag es Jahrzehnte lang brach.
Erst durch das Betreiben der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen erwachte es wieder zum Leben. Im Jahr 2008 begannen die ersten Restaurierungsarbeiten. Aber erst seit 2016 ist es vollständig wiederhergestellt und wieder in Betrieb – zur Freude der Gäste. Wer den Park besucht, sieht nur den malerischen oberen Teil des Riesenspielzeugs. Die aufwändige Antriebsmechanik, inklusive Schacht, der noch von der ursprünglichen Nutzung des Geländes als Steinbruch herrührt, benötigt ein ganzes Stockwerk für sich. Das liegt allerdings im aufgeschütteten Hügel verborgen. Die Erdmasse dafür gewannen die Baumeister damals durch den gewaltigen Teichaushub bei der Anlage des Gartens. So thront das Karussell heute auf einem Hügel. Es ist das älteste feststehende Karussell weltweit und begeistert an Drehtagen das Publikum.
Noch eine zeittypische Besonderheit bildet die künstliche Ruine auf der Insel: Der pseudomittelalterliche Wohnturm ist der erste seiner Art in Deutschland. Er täuscht außen Verfall vor und ist innen umso prächtiger eingerichtet, mit kostbarer Seide und Prunkmöbeln – Schöner Wohnen à la Rokoko; selbst ein prachtvoller Kuppelsaal fehlt nicht. Das exotisch anmutende Bauwerk auf der zweiten Insel im Teich war hingegen nicht zum Wohnen gedacht. Die Pyramide diente dem Andenken an den Erbprinzen. 12 Jahre jung, verstarb Friedrich (1772-1784) überraschend, und der trauernde Vater ließ ihm auf einer Insel ein standesgemäßes Monument errichten.
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Published on 22.09.2017
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