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Freilichtlabor Lauresham – Areal und Weberei

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Über Geschichten, die nicht aufgeschrieben wurden - Kloster Lorsch (Teil 3)

Das Gebäudeensemble von Lauresham umfasst Wohn-, Wirtschafts-, Stall- und Speicherbauten sowie eine Kapelle. Hinzu kommen landwirtschaftlich genutzte Flächen wie Wiesen, Äcker und Gärten, die auf mehr als vier Hektar Land ein in sich geschlossenes Bild ergeben. Somit vermittelt das Freilichtlabor das Treiben auf einem frühmittelalterlichen Gutshof abwechslungsreich und fachkundig – inklusive des Prinzips der Grundherrschaft. Wissen darüber, wie ein solcher Hof geführt werden sollte, gibt das „Capitulare de villis“ – eine Art Landgüterverordnung, die Karl der Große als detaillierte Vorschrift über die Verwaltung der Krongüter erließ. Dieses Kapitular ist eine berühmte Quelle für die Wirtschafts-, speziell die Agrar- und Gartenbaugeschichte.

Zu den wichtigsten Handwerkskünsten zählte das Weben. „Die Menschheit webt schon sehr lange. Dabei kamen Geräte zum Einsatz, von denen wir heute nicht mehr alle im Detail kennen“, erklärt Florian Saum, der sich in Lauresham mit der Arbeit am Gewichtswebstuhl beschäftigt. „Weben hat mich schon immer fasziniert“, berichtet er. Von den Webstühlen aus der Karolingerzeit finden Archäologen zwar noch die Gewichte, welche die Kettfäden straff nach unten halten. Der hölzerne Aufbau ist jedoch nicht mehr erhalten. Als Zeugen der von Frauen in einem Webhaus betriebenen Kunst haben Stoffreste die Jahrhunderte überdauert. „Diese Funde reichen von ganz feinen bis zu groben Woll- oder Leinenstoffen“, erzählt Saum, während er selbst das Schiffchen durch recht dicke, senkrecht auf den Webstuhl aufgespannte Wollfäden schickt. „Sie lassen erahnen, wie damals gearbeitet wurde. Manchmal frage er sich, wie die Frauen seine Arbeit wohl beurteilen würden. An dem Webstuhl entsteht gerade eine vier Meter lange Stoffbahn, die anschließend ausgerüstet wird. Saum: „Man kann den Stoff walken oder die Fasern mittels Distelkarden aufrauen. Ziel ist es, einen festen, strapazierfähigen Stoff zu bekommen.“ Ein weiteres Feld des Experimentierens für die Weber von Lauresham.

Die Entstehung eines Stück Stoffes auf dem Laureshamer Webstuhl ist ein Lehrstück über die Arbeitsweise auf einem frühmittelalterlichen Gutshof – und zeugt zugleich von der Nachhaltigkeit historischer Produktionsweisen. Saum bringt es so auf den Punkt: „Wenn man weiß, wie viel Arbeit damals in einem Stück Stoff steckte, kommt man ins Grübeln über unsere heutige Praxis, kaputte Kleidungsstücke einfach wegzuwerfen.“ Ein lehrreicher Ausflug ins Mittelalter.

Previous article in the series:
Über Geschichten, die nicht aufgeschrieben wurden - Kloster Lorsch (Teil 2)

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Published on 03.04.2018

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